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5 + 1 Frage an Stephan Mosel, Community Manager bei Qype

Vor einigen Tagen fragte mich Mark in einem Telefonat, warum es denn im Community Management Blog keine Interview-Rubrik geben würden? Da ich für interessante Anregungen immer offen bin, gibt es ab heute die Rubrik „5 + 1 Frage an …“. Interviewt werden interessante Personen aus dem Community (Management)-Umfeld. Den Auftakt macht heute Stephan Mosel (aka @Moe), Head of Community Management bei der lokalen Bewertungsplattform Qype. Vielen Dank für deine Zeit Moe!

Zusätzliche Fragen an den Interviewpartner können natürlich gerne über die Kommentarfunktion gestellt werden.

5 + 1 Frage an Stephan Mosel

Stell dich bitte kurz vor: Was machst du beruflich, was machst du privat?
Beruflich bin ich Community Manager für Qype im deutschsprachigen Raum. Auch privat verbringe ich sehr viel Zeit im Web, und wenn ich das gerade nicht tue, höre ich viel Musik, spiele Nintendo DS oder fahre neuerdings Longboard.

Wie bist du zum Thema Community Management gekommen und was war dein erster Berührungspunkt mit den vielgerühmten „Social Networks“?
Wo das anfing kann ich gar nicht so genau sagen. Beruflich beschäftige ich mich seit ca. 2 1/2 Jahren mit dem Community Management bei Qype. Die Kontakte dazu entstanden wie so oft durchs Netz. Zu dieser Zeit habe ich mich in Innsbruck mit eLearning 2.0 im Rahmen einer Anstellung als Junior Researcher bei den Research Studios Austria und eines Lehrauftrags an der UIBK beschäftigt. Auch zuvor hatte ich mich privat schon jahrelang recht intensiv mit Weblogs, Wikis, Social Bookmark Managers, etc. beschäftigt, was im Laufe der Zeit zunehmend unter Schlagworten wie Web 2.0, Social Software oder Social Media bekannt wurde. So schrieb ich dann auch meine Diplomarbeit über „Praktiken selbstgesteuerten Lernens bei der Nutzung von Weblogs“.

Was ist für dich persönlich Community Management?
Das ist natürlich ein sehr weiteres Feld. Der bisherige Diskurs um Community Management in Deutschland, an dem die Mitglieder des Bundesverbands Community Management (BVCM) maßgeblich beteiligt sind, zeigt, dass es bislang schwer ist, allgemeingültige und dennoch greifbare Minimaldefinitionen herauszuarbeiten. Ich persönlich sehe die wichtigste Aufgabe des Community Managements darin, ein Vermittler zwischen den Nutzern und den Betreibern einer Community zu sein und die Wünsche und Ansprüche der User so in die technische wie konzeptionelle Entwicklung hineinzutragen. Und ebenso im Namen der Betreiber mit den Mitgliedern der Community zu kommunizieren. Darüber hinaus fungiert ein Community Manager auch als Vermittler bei eventuellen Disputen von Mitgliedern untereinander, kontrolliert medienrechtliche Aspekte und sorgt dafür, dass sich alle aktiven Mitglieder so wohl wie möglich in der Community fühlen. Dazu gehört auch, für die Einhaltung des Kodexes zu sorgen und beispielsweise keine sexistische, rassistische oder anstößige Inhalte zuzulassen und gegen etwaige Störer vorzugehen. Andersherum bin ich natürlich auch Ansprechpartner bei Fragen zur Plattform, informiere die Community über Neuerungen und reagiere auf die Belange der Mitglieder, ob nun direkt auf der Site oder auch in Blogs oder Twitter.

Was war dein größtes Highlight in Verbindung mit dem Thema Community Management?

Ein einzelnes Highlight zu nennen fällt mir hier schwer. Grundsätzlich ist die Tätigkeit des Community Managements recht dynamisch – was auch einen großen Reiz daran ausmacht. An der Schnittstelle zwischen Unternehmen, Technologie und Individuen im Web zu arbeiten, ist eine sehr inspirierende Tätigkeit, die einen das Leben am Puls des Webs und seiner Nutzer und Macher sehr direkt und unmittelbar erfahren lässt. Überragend ist für mich immer wieder, wie intelligent lose Gruppierungen von Web-Usern agieren, sich vernetzen, publizieren und diskutieren können. Dies geschieht oftmals auf hohem Niveau, allen Unkenrufen gegenüber der Unkontrollierbarkeit des Netzes und seiner angeblichen Klowände zum Trotz. So geben die Möglichkeiten des Personal Publishing nicht nur jedem eine Stimme im Netz, sondern Communities sind auch in der Lage diese zu bündeln, zusammenzuführen und zu strukturieren, um so netzbasierte Diskurse erheblich zu stärken oder erst entstehen zu lassen.

An welche Erfahrung denkst du dabei weniger gerne zurück?
Die Gratwanderung zwischen Freiheit und Zwang, welche dringend notwendig und auch sinnvoll ist, kann manchmal sehr anstrengend sein. Ich  beziehe mich hier auf den Spagat zwischen einer möglichst liberal gehaltenen Führung der Community, gleichzeitig aber auch der Konstitution und Umsetzung unumstößlicher Regelungen, die den Zielen eines konstruktiven und friedlichen Miteinanders, den wirtschaftlichen wie strategischen Interessen der Betreiber einer Community, und dem geltenden Recht – sowie seiner mitunter kritischen Ausgestaltung im Web – gerecht werden müssen. Nicht umsonst zeigt sich in Gesprächen mit Community Managern und im User-Support tätigen Leuten oft, dass hier eine hohe Frustrationstoleranz unabdingbar ist, da es leider immer wieder einmal vorkommt, dass einzelne User aufgrund der Anonymität im Netz und der Kanalreduktion der Kommunikation elementare Regeln eines respektvollen Umgangs miteinander aufs Gröbste verletzen. Hierbei handelt es sich in der Masse der Nutzer natürlich um selten anzutreffende Ausnahmen, welche aber einen hohen Frustrationsgrad erzeugen können. Professionelle Distanz und das Wissen darum, dass diese Ausnahmen der Preis einer sonst oft sehr lebhaften und liebenswürdigen Community sind, spielen hier eine wichtige Rolle.

Zusatzfrage: Welche Frage wolltest du schon immer mal in einem Interview beantworten, die dir aber noch nie gestellt worden ist?
Wie ich die Zukunft des Community Managements beurteile? Das ist eine sehr gute Frage! Essentiell bleibt es meiner Ansicht nach, die Schnittstelle zwischen Technologie und sozialem Umgang mit Einzelnen wie auch mit Gruppen zu bilden und eine Professionalisierung des Berufsbildes Community Manager voranzutreiben. Unternehmen, die Communities haben oder haben wollen, müssen erkennen dass sowohl technisches Know-how wie auch ein Verständnis sozialer Interaktionsprozesse unabdingbar sind, um proaktiv zum Wachstum und der Festigung einer Community beizutragen. Das ist in den seltensten Fällen ein Job den man nebenbei erledigen kann, da hier komplexe technische, soziale und juristische Fragen aufeinandertreffen, welche in die Konzeption des Community Managements und der Gestaltung der Plattform einfließen müssen.

Qype – die Brücke von der Online- zur Offline-Welt

In Berlin ist mir gestern der folgende Aufkleber von Qype in einem Schaufenster aufgefallen:

Top in Qype 2008

Top in Qype 2008

Qype ist eine Art lokales Branchenbuch, in dem Restaurants, Ärzte, etc. durch die User erfasst und bewertet werden.  Ziel ist es also, durch einen Online-Dienst einen Mehrwert für das lokale reale Leben zu schaffen. Die meisten Angebote dieser Art leiden allerdings etwas darunter, dass sie sich zwar unter den Internet-affinen Mitbürgern einer recht guten Bekanntheit erfreuen, aber gerade vom Otto-Normal-Verbraucher noch sehr wenig wahrgenommen werden. Um so wichtiger ist es, auch offline für Reichweite zu sorgen, was Qype mit der gezeigten Auszeichnung wirklich gut gelingt. Gut, aber noch nicht sehr gut: Den Hinweis „Das Beste der Stadt“ finde ich alleinstehend noch nicht aussagekräftig genug, wenn damit tatsächlich auch eine neue Zielgruppe erschlossen werden soll. Aber das ist dann wohl Aufgabe für die Auszeichnung 2009…