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Telekom Microstock-Community Polylooks – auf der Suche nach dem Mehrwert

Gestern ist mir eine Pressemitteilung der Deutschen Telekom aufgefallen, die es in einen bunten Strauss der Online-Nachrichten geschafft hat. Unter anderem Bild.de, Internetworld.de netzwertig.com und Golem.de haben darüber berichtet. Überschrift: „Deutsche Telekom startet Online-Bildagentur Polylooks“

Die Pressemitteilung verspricht einiges und hinter dem großen T steht schließlich zumindest nicht unerhebliches Kapital. Ein Auszug aus der Pressemitteilung:

Unter www.polylooks.de können sich Profi- und engagierte Hobby-Fotografen austauschen und ihr digitales Bildmaterial zum Kauf anbieten. Abnehmer sind Verlage, Werbe- und PR-Agenturen, Unternehmen und Privatpersonen, die gezielt nach hochwertigem Bildmaterial mit einer europäischen Ästhetik suchen. Neben einem Mediastore für Bilder und Illustrationen bietet das Portal ein Online-Fotomagazin sowie eine Public-Beta-Version der Community,in der sich Fotobegeisterte untereinander austauschen können.

Im ersten Gedanken an das inzwischen eingestellte ARD-Format „Polylux“ erinnert, habe ich mir im zweiten Schritt das Angebot von Polylooks etwas näher angeschaut. Nach ernüchternden 15 Minuten muss ich mir leider wieder einmal die Frage stellen: Schaut sich irgendjemand dort draußen auch mal die Konkurrenzsituation auf den Märkten an?

Konkurrenzangebote
Spontan fallen mir neben iStock, fotolia noch drei oder vier andere Dienste ein, die auf den Microstock-Markt abzielen. Ganz zu schweigen von dem zweiten Schwerpunkt der Plattform, der Community. Hier gibt es neben dem Platzhirsch fotocommunity.de schätzungsweise eine hoch zweistellige wenn nicht gar dreistellige Zahl an Communitys, die sich den (Hobby-)Fotografen annehmen.

Gut, wenn die Idee schon nicht innovativ ist, die „europäische Ästhetik“ werte ich subjektiv mal nicht als solche, sollte sich wenigstens ein Mehrwert für die Kunden ergeben. Schließlich werden in jedem Gründerseminar ganz am Anfang Fragen gestellt wie: Wie sieht der Markt aus? Wo sind die Defizite der bestehenden Angebote? Welchen Mehrwert / Nutzen stiftet gerade mein Projekt?

Fehlender Mehrwert
Auch nach genauerem Hinsehen ist es mir allerdings schwer gefallen, einen Mehrwert gegenüber bestehenden Angeboten zu finden. Ein Fokus soll anscheinend auf der Qualität der eingestellten Fokus gelegt werden. Nach den mir vorliegenden Infos sollen diese alle redaktionell geprüft werden. Aus eigener Erfahrung heraus bin ich gespannt, wie sich dies bei einer relevanten Größenordnung neuer Bilder bewerkstelligen und vor allem bezahlen lassen wird. Ein weiteres Kriterium: Wer Bilder verkaufen möchte, muss zunächst einen 10 Fragen umfassenden Test rund um Plattformregeln und allgemeine Einschätzung von Bildkriterien ablegen. Nur wer 9 der 10 Fragen richtig beantwortet, besteht den Test.

Beispielfrage:

Ich habe mein Foto nicht in digitalem Format vorliegen. Darf ich es einscannen und das eingescannte Foto bei Polylooks hoch laden?
Antwort 1: Ja, eingescannte Fotos in hoher Qualität sind erlaubt.
Antwort 2: Nein, eingescannte Fotos sind grundsätzlich nicht erlaubt.

Angesichts solcher Fragen und der Tatsache, dass der Test mit nahezu identischen Fragen beliebig oft wiederholt werden kann, stellt sich für mich die Sinnhaftigkeit für solche Maßnahmen. Keine Fragen, nach außen hin können solche Tests / Zugangshürfen sogar anspornend und auf evtl. Interessenten seriös wirken, im Grunde ist es in meinen Augen in diesem Fall aber eher Augenwischerei.

Teurer als die Konkurrenz
Auch über den Preis wird es sehr schwer für das neueste Community-Projekt der Telekom werden. Während es bei fotolia je nach Abomodell bereits bei 14 Cent pro Bild losgeht, kostet bei Polylooks selbst bei einer Kontoaufladung von 3699,- Euro brutto ein Bild im kleinsten Format noch stolze 74 Cent. Einzahlbar per Kreditkarte. Wohlgemerkt momentan ausschließlich, andere Verfahren wie Paypal werden gar nicht erst angeboten…

Die Mitglieder dürfen wählen
Dafür setzt man bei der Gestaltung des noch nicht existierenden Forums immerhin auf die Kraft der Web 2.0 Gemeinde: Die User dürfen nämlich darüber abstimmen, welche Funktionen sie denn gerne künftig für das Forum bzw. die Community haben möchten. Keine Frage, Polylooks steht noch ganz am Anfang der Entwicklung und grundsätzlich befürworte ich es sehr, dass die späteren Nutzer frühestmöglich in die Entwicklung eines Projekt eingebunden werden. Angesichts des Marktumfeldes stelle ich mir allerdings die Frage, ob man überhaupt genügend Mitglieder für ein einigermaßen aussagekräftiges Abstimmungsergebnis gewinnen kann. Von einer kritischen Masse für den Projekterfolg ganz zu schweigen.

Fazit
Polylooks ist hübsch anzusehen und mit der Telekom steht Kapital und mit Sicherheit auch entsprechend Manpower hinter dem Projekt. Auch das jetzt in Polylooks integrierte und bereits seit 2008 bestehende hauseigene Online-Fotomagazin „Augenblicke“ ist durchaus einen Blick wert. Aber auch nicht mehr.

Angesichts des aktuellen Projekstandes würde ich wirklich gerne einmal einen Blick auf die (im Vorfeld hoffentlich erstellte) Konkurrenzanalyse für das Projekt werfen. Die Konkurrenz ist groß und ohne echten Mehrwert gegenüber bestehenden Angeboten gibt es schlicht und ergreifend keinen Grund, einem bestehenden Angebot den Rücken zu kehren. Da drängt sich schon fast die Vermutung auf, dass auch dieses Projekt  den bisherigen Community-Unternehmungen aus dem Telekom-Umfeld (wir erinnern uns: T-Online Chat, T-Community.com, Wir.de, cyworld.de) in absehbarer Zeitauf den Community-Friedhof folgen wird.

Nichtsdestotrotz bin ich auf die weitere Entwicklung des Projektes gespannt und drücke den Machern die Daumen. Vielleicht findet ja doch noch ein kreativer Kopf den Weg in das Entwicklungsteam, der einen echten Mehrwert für das Projekt generieren kann. Meine Kontaktdaten sind im Impressum zu finden… 😉

Update 03.10.2010
Die Telekom stellt das Projekt Polylooks zum 31.12.2010 ein: Meldung InternetWorld

„Die Ergebnisse haben leider nicht den Erwartungen entsprochen“, begründete eine Telekom-Sprecherin die Stilllegung des Dienstes.