Artikel mit ‘Community Manager’ getagged

Stille Mitleser und ihre Bedeutung für eine Online-Community

Dienstag, 16. September 2008 von Daniel Langwasser

In regelmäßigen Abständen gibt es in den von mir betreuten Online-Communities Anregungen / Forderungen, die Mitgliederdatenbanken aufzuräumen. Stein des Anstoßes sind (vermeintlich) inaktive User, die seit ihrer Anmeldung keinen sichtbaren Beitrag zum Community-Geschehen geleistet haben. Schaut man sich die Mitglieder-Statistiken genauer an, so hat tatsächlich ein signifikanter Anteil der Mitglieder noch keinen Beitrag geschrieben, kein Foto eingestellt, etc. Die tatsächliche Größenordnung / Prozentzahl hängt natürlich davon ab, wie die Community gewachsen ist, wie die Mitglieder gewonnen wurden, ob schon Mitglieder gelöscht wurden o.ä., daher verzichte ich bewusst auf die Nennung einer relativen Größe.

Stille Mitleser / Lurker
Auf den ersten Blick und ohne Investoren-Druck, eine möglichst hohe Mitgliederzahl präsentieren zu müssen, spricht grundsätzlich zunächst nichts gegen eine Bereinigung der Mitglieder-Datenbank, sprich eine Löschung der Mitglieder, die im Zeitraum X (noch) keinen aktiven Beitrag geleistet haben. Betrachtet man allerdings die Nutzerstatistiken etwas genauer, so tritt ein interessantes Phänomen zutage: Ein nicht unerheblicher Teil der vermeintlich inaktiven Mitglieder sind stille Mitleser, d.h. sie nehmen passiv am Community-Geschehen teil. Aus dem Englischsprachigen beginnt sich in der Community-Szene auch der (meist) etwas abfällig gebrauchte Begriff Lurker zu etablieren.
Gerade für die “Poweruser”, in vielen Fällen aber auch für den Community-Manager oder Betreiber einer Online-Community, sind die stillen Mitleser oftmals ein Dorn im Auge. Scheint es doch offensichtlich zu sein, dass die stillen Mitleser von der Arbeit / dem Engagement der aktiven Mitglieder profitieren, ohne der Gemeinschaft etwas für ihre Mühe zurückzugeben. Auch für die Vermarktung oder Bewertung einer Online-Community gibt es die (grundsätzlich sinnvolle) Bestrebung, nicht mehr die absolute Zahl der Mitglieder in den Vordergrund zu stellen, sondern ein Augenmerk auf die Zahlen / den Anteil der aktiven Mitglieder zu legen.

Stille Mitleser und ihr Stellenwert für eine Community
Allerdings tue ich mir mit der Definition etwas schwer, dass nur aktive, sprich schreibende, Bilder einstellende, kommentierende, … Mitglieder als wirklicher Teil der Community zu sehen sind. Betrachtet man beispielsweise die Abrufzahlen in nahezu allen Text-basierten Communities, sprich Foren, so sind diese fast immer signifikant größer als die Zahl der tatsächlichen Beiträge bzw. der durch die aktiven Mitglieder verursachten Aufrufe. Aber gerade diese stillen Mitleser machen die Beteiligung für die aktiven / schreibenden Mitglieder vielfach erst wirklich interessant, da ihre Beiträge von einem größeren Publikum wahrgenommen werden. Aus den eigenen Projekten kenne ich tatsächlich viele Mitglieder, die seit Jahren still mitlesen, noch nie einen Beitrag verfasst haben, aber m. E. definitiv trotzdem ein durchaus wichtiger Teil der Community sind. Einen durchaus vergleichbaren Ansatz mit Schwerpunkt auf der Monetarisierung einer Online.Community hat gerade Marcel Weiss veröffentlicht. Etwas überspitzt ausgedrückt: Bei einer Zeitung würde auch keiner auf die Idee, die nicht aktiven Leser auszuschließen. Wobei hier zugegebenermaßen der Rückkanal, verglichen mit einer Online-Community, doch etwas komplizierter ist… ;-)

In diesem Sinne freue ich mich auf rege (… oder keine) Kommentare meiner stillen Mitleser!

Brauchen Start-Ups einen Community-Manager?

Donnerstag, 17. Juli 2008 von Daniel Langwasser

Unter der Überschrift “Do Startup Companies Need Community Managers?” gibt es auf ReadWriteWeb gerade ein wirklich interessanten Artikel von Marshall Kirkpatrick über die Aufgaben und Notwendigkeit von Community-Managern. Im Rahmen des Artikels werden vielen Stimmen aus der Praxis zitiert und auch die geposteten Kommentare sind teilweise hochspannend! Absolut lesenswert, vielen Dank an Marco Ripanti für den Hinweis!


Was ist eigentlich…? Community-Management

Freitag, 30. Mai 2008 von Daniel Langwasser

In den nächsten Tagen und Wochen möchte ich einige grundlegende Artikel und (meine) Definitionen rund um das Themengebiet Community-Management veröffentlichen. Die Artikel sind nicht als feststehend anzusehen, sondern sollen auch als Arbeits- und Diskussionsgrundlage dienen. Kommentare sind daher wie immer herzlich willkommen und Änderungen an den Artikel nicht ausgeschlossen.

Was ist eigentlich…? Community-Management

Die Fragestellung “Was ist eigentlich Community-Management?” ist Gegenstand nahezu jeder Diskussionsrunde zum Thema Online-Communities. Wenn man im Internet recherchiert und einen Blick auf aktuelle (und nicht mehr aktuelle) Stellenanzeigen für Community-Manager wirft, wird mehr als deutlich, dass es (noch) keine einheitliche Definition des Fachgebietes Community-Management gibt. Bunte Vielfalt beschreibt die Situation wohl am besten.

Das fehlende einheitliche Verständnis ist zum einen wohl in der relativ jungen Disziplin als solche zu sehen und auch der Tatsache geschuldet, dass zunehmend auch bisher “fachfremde” Personen sich mit den Themengebieten Online-Communities und Community-Management auseinandersetzen.

Das Fachgebiet Community-Management beschäftigt sich nach meinem Verständnis mit ALLEN Aufgaben und Fragestellungen, die rund um den Aufbau und Betrieb einer Online-Community anfallen. Dies umfasst (ungewichtet):

  • Idee, Konzeption und Entwicklung
  • Technik
  • Marketing
  • Rechtsfragen
  • Monetarisierung
  • Produktmanagement
  • Mitglieder-/Kundenbetreuung
  • Projektmanagement

Folgende Grafik aus einer Präsentation im Rahmen des Community-Stammtisches Frankfurt von Sascha A. Carlin zur Vorstellung der IOCMA (International Online Community Management Association) fasst die Interdisziplinarität des Community-Managements sehr gut zusammen:

Online Community-Management

Das unterschiedliche Verständnis in Bezug auf den Begriff Community-Management liegt m.E. vor allem in der Gewichtung der einzelnen Themengebiete. In einem großen Projekt respektive einer großen Firma wird die Definition des Community-Managements bzw. der Aufgaben des Community-Managers ungleich spezieller ausfallen, da es für einen Teil der oben aufgelisteten Punkte in der Regel bereits Fachabteilungen gibt: Rechtsabteilung, EDV, Marketing, … . Der Fokus liegt hier dann auf der Konzeption und Weiterentwicklung der Community als solches (Produktmanagement), d.h. vor allem Fragestellungen rund um die Kernkompetenz, Zielgruppe und Mitglieder-Betreuung einer Online-Community.

Je kleiner das Projekt bzw. die Firma, desto breiter wird das eigene Verständnis zum Thema Community-Management. Runtergebrochen auf den Betreiber/Administrator/Webmaster einer kleinen Community beinhaltet das Community-Management letztendlich alle oben angesprochenen Themengebiete, d.h. er muss (bzw. sollte) sich mehr oder weniger stark mit allen Fragestellungen auseinandersetzen. Natürlich ist kein Expertenwissen in allen Disziplinen notwendig bzw. möglich, aber zumindest ein so tiefgehendes Verständnis, dass die gezielte Ansprache eines Experten möglich wird.

Im Grunde haben sich also auch die Administratoren der ersten Bulletin-Boards bereits intensiv mit dem Thema Community-Management auseinandergesetzt. Allerdings lag hier der Schwerpunkt eher auf der Technik, respektive der Unterstützung der Mitglieder bei der Handhabung dieser. Heute rückt die technische Komponente in den Hintergrund und der Fokus verschiebt sich in die Richtung des Community-Building, d.h. Ausrichtung der Community, Ansprache der Zielgruppe, Betreuung der Mitglieder, … . Zusammengefasst also viele Aspekte aus dem Fachgebiet der Soziologie.

Aufgrund dieser Entwicklung beackern heute zunehmend weniger Techniker das Feld des Community-Management, sondern es kommen verstärkt auch Personen aus anderen Fachdisziplinen mit dem Thema in Berührung. Im Grunde kann man dabei, je nach Ausrichtung des Projektes, eine Annäherung beobachten. Personen mit einem technischen Hintergrund beschäftigen sich verstärkt mit den sozialen und soziologischen Aspekten des Community-Managements während umgekehrt sich auch Soziologen mit technischen Fragestellungen auseinandersetzen.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass das Community-Management wohl eines der am stärksten interdisziplinär ausgerichteten Fachgebiete ist, die mir bekannt sind. Das klassische Community-Management beschäftigt sich mit allen Fragestellungen rund um die Konzeption, den Aufbau und Betrieb einer Online-Community. Unterschiede in der Definition und Wahrnehmung des Themengebietes gibt es vor allem vor dem Hintergrund der Projekt- bzw. Firmengröße und auch durch Veränderungen der zur Verfügung stehenden Technologien und nicht zuletzt in den Prozess eingebundenen Fachdisziplinen.

Links zum Thema: