Archiv für die Kategorie ‘Allgemein’

Im Test: Community-Frameworks und Community-Baukästen

Mittwoch, 12. November 2008 von Daniel Langwasser

Nachdem die letzten Beiträge doch eher theoretischer Natur waren, möchte ich mich heute mal einem etwas technischeren Thema widmen: Community-Software. In Vorbereitung auf ein neues Projekt habe ich in den letzten Wochen und Monaten verschiedene Lösungen getestet, die Ergebnisse möchte ich hier kurz vorstellen. Die nachfolgenden Ergebnisse sind allerdings unter dem Aspekt zu betrachten, dass hinter dem Test ein konkretes Projektvorhaben steht, die Allgemeingültigkeit der Ergebnisse somit nur beschränkt gegeben ist. Eines vorweg: eine wirkliche “Out oft the Box”-Lösung gibt es im Grunde nicht, wenn man, wie im geplanten Projekt, auch selbst Änderungen und Erweiterungen am System vornehmen möchte.

Make or Buy
Bei der technischen Plattform/Software stellt sich die grundsätzliche Frage des “make or buy”. Eine komplette Eigenentwicklung bedeutet im Regelfall auch einen hohen Aufwand in Bezug auf die benötigten Ressourcen, zumal inzwischen durchaus brauchbare Community-Lösungen auf dem Markt vorhanden sind. Der Erwerb einer “fertigen” Community-Lösung schränkt die Weiterentwicklung durch lizenzrechtliche Fragestellungen in der Regel stark ein und ist zusätzlich mit Lizenzgebühren verbunden.
Weiterhin gibt es Community-Dienste wie Tribax oder Mixxt, die dem Community-Betreiber eine Komplettlösung an die Hand geben. Dabei hat man die Wahl zwischen einer kostenfreien Sub-Community, die im Look & Feel des “Mutternetzwerkes” daherkommt, und einer (kostenpflichtigen) Whitelabel-Lösung. So praktisch diese Dienste sind, so eingeschränkt sind doch die Anpassungsmöglichkeiten. Dies kann für viele Projekte ausreichend sein, für das konkrete Projekt ist allerdings die Anpassbarkeit ein wichtiges Kriterium.
Eine Alternative stellt die Verwendung einer Open-Source (OS) Lösung als Entwicklungsgrundlage dar. Die Vorteile liegen hier vor allem in der Nutzung einer bereits bestehenden Funktionalität, der relativ frei gestaltbaren Weiterentwicklung sowie in der teilweise großen Anzahl verfügbarer Erweiterungen und Ansprechpartner im Rahmen der Entwickler-Gemeinschaft.

Getestete Community-Frameworks
Getestet und bewertet wurden folgende OS-Anwendungen, die grundsätzlich als Basis für die Entwicklung einer anspruchsvollen Community-Lösung dienen können:

Kriterium für die Vorauswahl waren der OS-Status bzw. ein offenliegender Quellcode, die Verwendungen von robusten und weit verbreiteten Web-Technologien (PHP, JavaScript, MySQL), die Größe der Entwicklergemeinschaft sowie eine grundsätzliche Eignung zur Entwicklung einer Community-Lösung. Im Fall von Dolphin und Socialsynapse handelt es sich allerdings nicht um klassische OS-Lösungen, da die Nutzung mit Lizenzgebühren verbunden ist. Allerdings kann und darf der Quellcode im Rahmen der Lizenz verändert werden.

Das Mittel der Wahl: Drupal
Eine komplette Darstellung der Vor- und Nachteile würde den Rahmen sprengen, daher die Ergebnisse sozusagen in der Quintessenz: Drupal eignet sich auf Basis der getesteten OS-Lösungen am besten als Software-Basis für das geplante Community-Projekt. Der Kern der Versionen 5 und 6 ist robust programmiert, weiterhin ist die Entwickler-Gemeinde ausreichend groß, so dass es eine Vielzahl von Support-Foren und auch Dokumentationen gibt. Weiterhin gibt es bereits eine größere Zahl von Community-bezogenen Modulen, so dass ein Grundstock an Funktionalitäten mit vergleichsweise geringem Aufwand implementiert werden kann. Ein weiteres wichtiges Kriterium: Drupal kommt bereits in vielen größeren Community-Projekte erfolgreich zum Einsatz, z.B. im deutschsprachigen Raum unicum.de und playboy.de. Dieser Aspekt ist definitiv nicht zu vernachlässigen, da viele andere Dienste und Frameworks im Grunde erst noch unter Beweis stellen müssen, dass sie auch für größere Community-Projekte geeignet sind.

Die Alternative: Socialsynapse
Auch wenn die Software für das aktuelle Projekt nicht den “Zuschlag” bekommen hat, gibt es mit Socialsynapse, dem deutschen Brand für das Community-Framework Socialengine, gerade für kleine bis mittlere Projekte eine interessante Alternative, die dem “Out of the Box” schon sehr nahe kommt. Das Grundsystem und die wichtigsten Module wie Blogs oder Gruppen sind zwar kostenpflichtig, allerdings liegen die Gebühren für eine schon recht brauchbare Lösung in einer Größenordnung von unter 500,- Euro inkl. Installation auf dem eigenen Server. Zudem gibt es auch einige kostenlose Erweiterungen und durch Socialsynapse sogar einen deutschsprachigen Support. Zu beachten ist allerdings, dass die Entwicklergemeinde, nicht zuletzt aufgrund der kommerziellen Ausrichtung, vergleichsweise klein ist.

Update 12.11.2008: Socialsynapse eingestellt
Gerade während ich den Artikel beendet habe, hat der Betreiber von Socialsynapse bekannt gegeben, dass ab sofort unter dem Label Socialsynapse nicht länger eine deutschsprachige Version von Socialengine vertrieben wird. Spannend, aber auch wieder ein weiteres Beispiel dafür, dass Nachhaltigkeit noch nicht unbedingt eine stärke in der Internetbranche ist… ;-)

Bundesverband Community Management - Mitstreiter gesucht

Freitag, 05. September 2008 von Daniel Langwasser

Tom Noeding, aktuell Country Programme Manager Germany bei Moli und Vollblut-Netzwerker, hat es sich auf die Fahnen geschrieben, die Interessen der Community Manager in Deutschland zu vertreten. Aus dieser Intension heraus ist die Idee für die Gründung des Bundesverbandes Community Management (BVCM) (1, 2) entstanden.

Eine professionelle Unterstützung und Förderung dieses doch sehr jungen Berufszweiges ist für die zukünftige Entwicklung sehr wichtig, so dass ich Tom und das Projekt BVCM gerne nach Kräften unterstütze. Wie in jeder Community-Entwicklung steht und fällt das Projekt mit den Mitgliedern, so dass wir uns auf weitere Mitstreiter freuen, die das Thema Community Management in Deutschland voranbringen möchten.

Liebe Community Manager,

wie ich in meiner Ankündigung für den nächsten Communitystammtisch in Frankfurt ja bereits angerissen habe, stecken wir inmitten der Gründungsvorbereitungen für den Bundesverband Community Management, kurz “BVCM”. Seit gestern gibt es die gleichnamige Xing-Gruppe, zu der ich Euch hiermit ganz herzlich einladen möchte:

www.xing.com/net/bvcm

Am kommenden Dienstag werde ich das Gründungskonzept erstmalig im Rahmen unseres monatlichen Stammtischs vorstellen. Danach geht’s in Siebenmeilenstiefeln auf das nächste Highlight zu, nämlich das CommunityCamp 2008 in Berlin. Dort werden wir offiziell “launchen”.

Auch wenn der zukünftige Verband seinen Sitz in Frankfurt am Main haben wird - ich betrachte das durchaus auch ein wenig als Standortförderung ;) - sind wir selbstverständlich auf die Unterstützung von Mitstreitern aus allen Ecken Deutschlands angewiesen. Die Xing-Gruppe wird uns bei der Vernetzung helfen.

Viele Grüße und ein schönes Wochenende!
Tom Noeding (via XING)

Gerne freuen wir uns auf jede Form der Unterstützung und beantworten Fragen und Anregungen gerne persönlich oder im Rahmen der oben genannten XING-Gruppe BVCM.

XING-Gruppe Radreisen - Teil 3 - Mitgliedergewinnung

Samstag, 02. August 2008 von Daniel Langwasser

Im dritten und vorerst letzten Teil, die Gruppe muss sich schließlich erst einmal entwickeln, möchte ich kurz auf die Mitgliedergewinnung für XING-Gruppen eingehen.

XING zählt derzeit rund 6 Millionen Mitglieder, eine sehr gute Ausgangsbasis für die Einrichtung vertikaler Untergruppen. Über die erweiterte Suchfunktion kann in nahezu allen Profilfeldern der Mitglieder gesucht werden, besonders interessant für unsere Zwecke ist das Feld “Interessen”. Die Suche nach “Radtouren” oder “Radreisen” ergibt jeweils mehr als 300 Treffer, dies ist entspricht der von XING gesetzten maximalen Trefferanzahl. Um dies zu umgehen, bietet sich beispielsweise an, die Suche pro Bundesland durchzuführen. Etwas umständlich, aber irgendwo muss ja eine Grenze gesetzt werden. Sind die potentiellen Gruppenmitglieder ausgemacht, kommt die, in meinen Augen sehr sinnvolle, Funktion “In eine Gruppe einladen” zum Zug. Nach Aufruf der Profilseite eines XING-Mitglieds kann man dem Mitglied eine Einladung in eine Gruppe zukommen lassen, in der man selbst Mitglied ist. Inzwischen lässt sich auch ein Großteil des Textes individualisieren, so dass die Einladung ungleich besser auf die Gruppe oder den Eingeladenen zugeschnitten werden kann. Was jetzt folgt, ist schlicht und ergreifend Fleißarbeit. Jede Einladung erfordert min. 5 Klicks… ;-) Im Prinzip ein gutes Mittel, um Spam zu vermeiden, für den Auf- und Ausbau einer neuen Gruppe allerdings ein echtes Hindernis.

Der aktuelle Zwischenstand: Nach gut einem Monat sind rund 430 Mitglieder in der Gruppe “Radreisen & Radurlaub” angemeldet. M. E. ein guter Anfang, was sich daraus entwickelt, wird man sehen. Außerhalb von XING wäre eine solche Gruppen-Größe mit der bisher investierten Zeit in meinen Augen kaum realistisch gewesen. Durch den entfallenden Registrierungsprozess und die gewohnte Umgebung liegt die Hemmschwelle für die Mitglieder sehr niedrig. Weiterhin spielt die gezielte Vorauswahl nach Interessensgebiet natürlich auch eine Rolle. Anhand dieses Beispiels lässt sich vielleicht erahnen, was für ein Meilenstein in der Entwicklung Vertikaler Netzwerke Initiativen wie das von XING unterstützte OpenSocial werden können.

Updates zur weiteren Entwicklung der Gruppe gibt es zu gegebener Zeit.

XING-Gruppe Radreisen - Teil 2 - Einrichtung und Gruppen-Icon

Mittwoch, 23. Juli 2008 von Daniel Langwasser

Nachdem ich im ersten Teil kurz auf die Ideenfindung und den Gruppenantrag eingegangen bin, im zweiten Teil einige Infos rund um die Einrichtung der Gruppe “Radreisen & Radurlaub“. Die ersten Schritte zur Mitgliedergewinnung folgen dann im dritten Teil.

Mit der Genehmigung des Gruppenantrags bekommt man von XING eine kurze Anleitung für die ersten Einrichtungsschritte zur Verfügung gestellt. Netterweise haben die XING-Mitarbeiter einen Teil des Antragstextes bereits als Startseite eingerichtet, so dass man es etwas leichter hat. ;-) Im Grunde braucht es für die Einrichtung eigentlich keine Anleitung, da a) die Benutzerführung passabel und b) der Funktionsumfang überschaubar ist. Konkret lassen sich der Startseitentext, die Gruppenbeschreibung, die Foren, die Optionen zur Mitgliederfreischaltung und die Gruppensichtbarkeit einstellen. Besonderem Augenmerk sollte dabei der Startseite geschenkt werden, da diese zum einen der erste Kontaktpunkt für die potentiellen Mitglieder ist und zum anderen die dort aufgeführten Stichworte von XING für die Gruppensuche verwendet werden. Anscheinend filtert hier XING wie zu den guten alten Zeit des Keyword-Spammings anscheinend in keinster Weise, worauf leider auch schon einige XGO (XING Gruppen Optimierer) gekommen sind.

Bei der Struktur der Foren innerhalb der Gruppe gelten wieder (und weiterhin) die Regeln aus den Zeiten der ersten Bulletin-Boards: Weniger ist mehr! Will heißen: Lieber klein und übersichtlich starten und die Strukturierung der Foren an die Entwicklung der Gruppe und damit die Wünsche der Mitglieder anpassen. Trotz aller Erfahrung hat der erste Aufschlag für die Foren-Struktur keine Woche überdauert, ganz so dynamisch hatte ich es mir nicht zu erhoffen gewagt.

Weiterhin lässt sich auch die Headergrafik und (ganz wichtig) das Gruppen-Icon anpassen, welches später auf den Profilseiten der Gruppen-Mitglieder angezeigt wird. Erfahrungsgemäß kommt dem Gruppen-Icon dabei eine besondere Rolle zu, da es über die Profile der Gruppen-Mitglieder neue Mitglieder aufmerksam machen soll und (man erinnere sich an Wanderstöcke und Autohecks in den 80er und 90ern) Gruppen-Icons von vielen XING-Mitglieder regelrecht gesammelt werden. Im Grunde liegt dies auch auf der Hand, bieten die Gruppen-Icons doch eine gute Möglichkeit, den Profilbesuchern (optisch) einen Überblick über die eigenen Interessen und Fähigkeiten zu geben. Wichtig: Auf gute Lesbarkeit achten, das Icon hat gerade einmal 80×25 Pixel, und möglichst eine optische Brücke zum Gruppenthema schlagen. Da durfte der Radfahrer im Gruppen-Icon der Gruppe “Radreisen & Radurlaub” natürlich nicht fehlen… ;-)

Im nächsten Teil dann einige Tipps zur Mitglieder-Akquise via erweiterte Suche und Einladungs-Funktion.

XING-Gruppe Radreisen - Teil 1 - Idee und Antrag

Donnerstag, 17. Juli 2008 von Daniel Langwasser

Wie bereits angekündigt, werde ich die Gründung und Weiterentwicklung der XING-Gruppe “Radreisen und Radurlaub” mit einer kleinen Serie begleiten.

XING ist erklärtermaßen inzwischen eines meiner Lieblingstools geworden. Anfangs primär als Werkzeug zum Kontakt-Management genutzt, habe ich inzwischen auch die ein oder andere Gruppe für mich entdeckt. Eigentlich ganz praktisch, dass man sich mit wenigen Klicks vertikale Themenwelten erschließen kann. So lange Initiativen wie OpenID noch, etwas bildlich gesprochen, in den Kinderschuhen stecken, kann man das Ganze zumindest im kleinen innerhalb von Mikrokosmen wie XING testen. ;-)

Es lag also nahe, auch mal selbst aktiv zu werden und eine Gruppe ins Leben zu rufen. Fahrrad als Oberthema lag relativ schnell auf der Hand, nach einiger Recherche in den bestehenden Gruppen zum Thema Fahrrad habe ich dann letztendlich “Radreisen & Radurlaub” als mögliches Gruppenthema ausgemacht. Zum einen, weil es mir persönlich am Herzen liegt, und zum anderen, um den “Gebietsschutz” von XING zu umgehen, der nur jeweils eine Gruppe zu einem bestimmten Thema zulässt. Zumindest dachte ich das zu diesem Zeitpunkt, seit gut einem Jahr werden allerdings aus Gründen der Chancengleichheit durchaus auch Gruppen-Themen mehrfach zugelassen. Eine Recherche in den Interessensprofilen der XING-Mitglieder zu den Begriffen “Radreisen” & “Radurlaub” hat mit über 300 Treffern (mehr werden nicht angezeigt) ebenfalls ein vielversprechendes Bild ergeben.

Das Antragsformular als solches ist etwas versteckt, über die Hilfe aber gut zu finden. Auf den ersten Blick wirkt es etwas unübersichtlich, im Grunde werden m. E. aber sinnvolle Informationen abgefragt. Neben Titel und Kategorie der vorgeschlagenen Gruppe, werden auch einige Infos zu der eigenen Moderationserfahrung, der geplanten Zielgruppe, der voraussichtlichen Mitgliederentwicklung sowie dem genauen Thema der Gruppe abgefragt. Würde jedes Startup diese Liste ausfüllen und sich entsprechend Gedanken machen müssen, hätten wir wahrscheinlich ein paar Social Networks weniger auf dem Markt und nicht jeden Tag eine neue Community auf dem Newsticker… ;-)

Die Infos zu meinem Erfahrungen als Moderator, der Zielgruppe und der Spezialisierung auf mehrtägige Radtouren & Radreisen sind mir relativ leicht von der Hand gegangen. Bei der voraussichtlichen Entwicklung der Gruppengröße habe ich mir zugegebenermaßen etwas schwer getan. Letztendlich habe ich nach drei Monaten 150, nach sechs Monaten 300 und nach 12 Monaten 600 Gruppenmitglieder geschätzt. Wie realistisch diese Einschätzung war, wird sich zeigen.

Im letzten Schritt muss noch der Code of Conduct, sozusagen die Netiquette für XING-Moderatoren, akzeptiert werden. Nach dem Speichern bleibt dann nur noch das Abwarten, wie die XING-Moderation über den Antrag entscheidet. Das es geklappt hat, ist ja inzwischen kein Geheimnis mehr. ;-)

Im nächsten Teil der kleinen Serie dann mehr über die First-Steps der Gruppeneinrichtung sowie ein paar Infos zur Mitgliederakquise.

Link: Die clevere VZ-Strategie (in Bildern)

Dienstag, 15. Juli 2008 von Daniel Langwasser

Das Thema der VZ-Abmahnungen ist zwar eher traurig, die Reaktionen der Betroffenen aber einfach gut… ;-)

http://accept.blog.de/2008/07/14/die-clevere-vz-strategie-4445539