Nach einer kleinen Sommerpause geht es heute weiter in der Interview-Reihe „5 + 1 Frage an„. Interviewpartnerin ist Beate Steffens, Community Managerin bei Greenpeace e.V.,  und unter anderem zuständig für die hauseigene Community GreenAction. Alles weitere erzählt sie uns am besten selbst.

Und wie immer noch der Hinweis: Zusätzliche Fragen an unsere Interviewpartnerin oder Anmerkungen jederzeit gerne über die Kommentarfunktion.

Stell dich bitte kurz vor: Was machst du beruflich, was machst du privat?
Ich arbeite seit 2000 beim Greenpeace e. V.. Angefangen habe ich als Assistenz in der Pressestelle zum Ende meines (zweiten) Studiums. Ich suchte einen Job für ein paar Monate, der mich über meine Diplomarbeitszeit bringen sollte. Tja, so kann es gehen, nun bin ich schon über zehn Jahre bei Greenpeace. Nach einem halben Jahr Pressestelle wechselte ich in die Internet-Redaktion und arbeitete als Online-Redakteurin und übernahm später auch die Teamleitung.

Im Zuge einer Umstrukturierung im Jahr 2007 sind die Pressestelle und die Internet-Redaktion zusammengelegt worden. In dem Rahmen wechselte ich ins Community Management. Ich bin also die erste Community Managerin von Greenpeace in Deutschland. Aber im Grunde mache ich noch einiges mehr. Ich betreue neben unserer eigenen Community GreenAction auch sämtliche externen Web 2.0-Auftritte von Greenpeace. Derzeit sind wir auf Facebook, Twitter, StudiVZ, Youtube und Flickr unterwegs.

Neben der Arbeit teile ich mein Leben mit meinen Border Collie Hündinnen Mika und Fee. Sie sorgen immer für einen sportlichen Tagesbeginn. Bevor es ins Büro geht, machen wir gemeinsam den Elbstrand oder die Parks von Hamburg unsicher. Für mich ist das immer ein toller Start in den Tag, egal ob es regnet, schneit oder die Sonne scheint.

Wie bist du zum Thema Community Management gekommen und was war dein erster Berührungspunkt mit den vielgerühmten „Social Networks“?
Mein erster Berührungspunkt mit Communities und Social Networks war ein Projekt von Greenpeace International. Ende 2000 launchte Greenpeace International das Cybercenter. Das war eine Mitmachplattform auf der alle Online-Aktivitäten von Greenpeace International gebündelt wurden. Beispielsweise bekamen registrierte Nutzer einen Newsletter in dem sie auf neue Mitmach-Aktionen hingewiesen wurden und in den sogenannten Action-Groups konnte miteinander diskutiert und gemeinsam Ideen entwickelt werden. Greenpeace Deutschland hatte einen deutschsprachigen Ableger des Cybercenters aufgebaut.

Weil die Software hoffnungslos veraltet war, wurde das Cybercenter leider 2006 „abgeschaltet“. Es sollte eigentlich schnellstens ersetzt werden, aber der damalige Online Campainger machte sich selbstständig und verlies Greenpeace. Er war die treibende Kraft hinter dem Projekt und es fand sich kein entsprechender Nachfolger. So rückten dann andere Projekte in den Vordergrund.

Die ersten Berührungspunkte mit Social Networks habe ich auch einigen meiner internationalen Kollegen zu verdanken. Vor einigen Jahren waren viele auf Orkut unterwegs und ich habe mich dort angemeldet, um besser mit ihnen in Kontakt treten zu können.

Was ist für dich persönlich Community Management?
Ein Teil der Arbeit rund um das Community Management ist in meinen Augen die Moderation innerhalb der Community. Also neuen Mitgliedern Hilfestellung geben, neue Themen einstreuen, Störer zurechtweisen, Streit schlichten etc.. Dazu kommt, dass man die User auch untereinander vernetzen sollte, wenn man sieht, dass es hilfreich oder sinnvoll ist. Das ist die kommunikative Seite des Jobs.

Zum anderen sollte die Weiterentwicklung der Community eine Herzensangelegenheit eines Community Managers oder Managerin sein. Das betrifft natürlich nicht nur die technische Weiterentwicklung. Hier sollte den Nutzerinnen und Nutzern gut zugehört werden. Für sie müssen wir die Community aus- und aufbauen. Die Mitglieder der Community bestimmen mit wohin die Reise geht. Schließlich sollen sie sich in der Community wohlfühlen und sich dort gerne aufhalten. Zudem begreife ich mich als Sprachrohr der Community in die Organisation.

Für mich gehört ebenfalls dazu, neue Mitglieder zu werben, ehrenamtliche Moderatoren anleiten, Treffen bzw. Events zu organisieren und vieles mehr. Als Community Manager/in zu arbeiten, ist mit einem „normalen“ Bürojob nicht zu vergleichen. Ich habe keine feste Arbeitszeit und es kann auch schon mal vorkommen, dass ich spät am Abend nochmal nach dem Rechten schaue. Eine gewisse Leidenschaft oder Passion gehört einfach dazu.

Was war dein größtes Highlight in Verbindung mit dem Thema Community Management?
Ein einzelnes Highlight ist schwierig zu benennen. Ich habe ein paar Highlights. Allen voran der Launch unserer eigenen Community, die am 31. Juli ein Jahr alt geworden ist. Nach einem Jahr haben wir über 7100 registrierte Mitglieder. Was mich besonders freut, ist, dass ich bislang noch niemanden sperren musste oder sich ein Mitglied völlig daneben benommen hat. Der Umgang auf GreenAction ist gut, die Leute sind nett und Diskussionen werden in einem freundschaftlichen Ton geführt. Ich hoffe, dass das auch weiterhin so bleibt.

Ebenso hat mich gefreut, dass wir bei Facebook und auf Twitter die 10.000er Marke geknackt haben. Damit haben wir uns über www.greenpeace.de hinaus eine große Reichweite erarbeitet. Spannend finde ich dabei, dass wir für unsere Community-Auftritte bislang kaum Werbung gemacht haben. Trotzdem steigen die Zahlen kontinuierlich. Ich bin guter Dinge, dass wir auch bald die 10.000 Marke bei GreenAction knacken.

An welche Erfahrung denkst du dabei weniger gerne zurück?
Daran wie mühsam es ist, manche Menschen davon zu überzeugen, wie wichtig Social Networks und Social Media sind. Um zukunftsfähig zu sein, müssen wir uns intensiv mit den Entwicklungen beschäftigen. Leider höre ich bis heute Aussagen wie, das ist doch alles Kinderkram was zählt sind die Print- und TV-Medien. Aber das Leben wird auch diese Menschen überzeugen, die Zukunft gehört den Neuen Medien.

Zusatzfrage: Welche Frage wolltest du schon immer mal in einem Interview beantworten, die dir aber noch nie gestellt worden ist?
Was meine schönsten Erlebnisse mit Greenpeace als Aktivistin waren. Davon gibt es einige. Drei zaubern mir bis heute immer wieder ein Strahlen auf das Gesicht. Die Greenpeace-Aktion gegen den drohenden Irak-Krieg AUF dem Brandenburger Tor im Jahr 2003. Es war einfach klasse wie viel Zuspruch von den Passanten zu der Aktion gekommen ist. Dann mein zweiwöchiges Schlauchboot-Training im Februar auf der Ostsee. Das war kalt, anstrengend und hat mich an die eine oder andere meiner persönlichen Grenzen gebracht. Aber es hat mir unglaublich viel gebracht und viel Spaß gemacht. Und dann die Besteigung des 5165 Meter hohen Ararat in der Türkei zum G8-Gipfel in Heiligendamm. Es war unglaublich spannend mit unseren türkischen Kollegen und Kolleginnen zusammenzuarbeiten und die Aktion hat unserem türkischen Büro einen richtigen Bekanntheitsschub gegeben.

Beate, vielen Dank für deine Zeit und die interessante Einblicke in deinen Job als Community Managerin!